Befriedigung

Marco Jammermann

Der Wagen hinter ihr drängelte. Der Fahrer gab Lichthupe und fuhr immer dichter auf. Sie reagierte nicht. Der Fahrer überholte sie rechts und schnitt sie. Ein silberner Mercedes. Sie schaute auf das Nummernschild und stellte verwundert fest, daß sie es sich zu merken begann.
Als sie den Wagen vor sich immer kleiner werden sah, packte sie die Wut. Sie beschleunigte und nahm die Jagd auf. Genauso fühlte es sich an. Wie Jagd. Sie drängelte, gab Wagen, die vor ihr fuhren, Lichthupe und überholte sie, wenn sie nicht Platz machten, rechts.
Sie dachte schon, sie hätte den silbernen Mercedes verloren. Da sah sie ihn plötzlich wieder vor sich. Auf der mittleren der drei Spuren. Sie verringerte den Abstand, scherte aus, fuhr neben ihn und bremste auf seine Geschwindigkeit ab. Sie drehte ihren Kopf zum Fahrer, der nach ein paar Sekunden zu ihr herüberblickte. Sein Gesicht war ausdruckslos, stumpf. Ihres war kalt und böse. Sie spürte ihren Herzschlag im Kopf pochen.
Ein paar lange Sekunden lang vergrub sie ihren Blick in den des Fahrers. Dann gab sie Gas, scherte dicht vor dem Mercedes ein und trat auf die Bremse. Der Fahrer hupte und setzte zum Überholen an. Doch sie zog abrupt nach links, um ihn daran zu hindern. Der Mercedes scherte wieder ein. Sie sah es befriedigt im Rückspiegel. Als er wieder Gas gab und sie überholte, stutzte sie. Ein Buchstabe auf dem Nummernschild des Mercedes stimmte nicht. Ein einziger Buchstabe. Sie hatte sich am Falschen gerächt. Das Nummernschild verschwand allmählich vor ihr.
Zu spät bemerkte sie den Wagen, der an ihr vorbeischnellte, direkt vor ihr auf die Spur zog und scharf abbremste. Sie sah die roten Rücklichter. Deren Eindruck brannte sich ihr ins Gehirn für den Rest ihres Lebens. Es war noch eine halbe Sekunde.