TransArt von Taisiya Ivanova und Olga Kovalenko

Unter dem Motto „lass dich durch ein Foto inspirieren“ haben Taisya Ivanova und Olga Kovalenko ein Bild-Gedicht-Ensemble kreirt. Initiatorin war Taisya Ivanova, die durch den Fotografen Henry Cartier-Bresson inspiriert, in Rom untenstehendes Motiv fotografierte. Spntan fiel Olga Kovalenko eine sie völlig einnehmende „ganz bestimmte Geschichte“ ein. So entstand das Poem „Das Haus der Zeit“.

Foto von Taisiya Ivanova

 

Das Haus der Zeit

Olga Kovalenko (25.11.2012)

Dunkle Fenster.
Geschimmelte schäbige Wände,
wie ihre gefaltete Haut…
Sie, in dem alten Mantel verkleidet.
Falten – die Reliefe der Zeit.
Zerkratztes Glas im Licht der Nachhaltigkeit.
Verblasste Vorhänge.
Die spürbare Enge
des Körpers für die Seele…
Die herausragende Breite der Leere
unter dem Schatten der Zeit…
Die kalten Steine der Weisheit
– die Bilder im Gedächtnis.
In welchem Verhältnis
steht sein Grauen zu ihr?
Alles bedeckende Stille
– der Staub der Gedanken.
Aus der Pracht der Gefühle entstanden,
zeigten sich die Umrisse ihrer Gestalt
vor dem geheimnisvollen Wesen der Anstalt.
Woher kommt ihre Zeit?

Dünne knochige Finger,
verschönt mit den Ringen
und der Schwere des Einfachseins
aus dem Alltag des Arbeiterseins
Ergreifen den Stock.
Fleckiger gelöcherter Rock.
Im Rücken gebeugt
Mit dem Blick zur Erde…
Bist du die erste,
die hierher kam?
Was entsteht aus dem Sand
deiner Wüste?
Aus jedem einzelnen Korn
deines Leidens?
Ein Alterserscheinen
mit dem Tode gekront?
Mit der Ruhe begehrtes Herz…
Ein unbemerkbares Zeichen
wie eine Spur der Flüchtigkeit
in deiner gekrümmten Realität…

Alles vergeht.Alles vergeht,
Wie das Wasser verfließt…
Man vergisst
jeden einzelnen Klang,
und der Ausschöpfung der Kraft,
wie ein Zwang,
wie ein tiefer Traum
verdrängt uns aus diesem Raum
des Wachseins- der Existenz,
für ein kurzes Moment,
nur für Jetzt…

Das verschmuzte Glas
– die verronene Vergangenheit.
Verpuffte Stille.
Der gestorbene Wille
zum Leben.
Und eben
letztes,
immer noch spürbarer,
dünner Faden
ihres Daseins…
Letzte Minuten des Wachseins:
Ihr letztes Wunscherscheinen
– Die Berührung der eiskalten Steine.
Ein leichstes Streichen mit warmen Händen.
Aufwachen der grauen Wände
aus der fernen Vergangenheit,
Und jeder Klang der Erinnerung,
wie ein schreiender Vogel im Kopf
zerbricht die Dunkelheit
in der Stille des Vergessenen…

Im Haus
entstandenes Chaos
des verschwundenen Augenblicks:
Den ganzen Raum erfüllt mit der Musik.
Im Rausch tanzete sie
fast fliegend in der Luft,
auferstanden in ihren Gefühlen.
Die schlanke Figur.
Der gerade Rücken.
Sie hatte den Flügel.
Sie besaß die Kraft zum Fliegen.
Es schwebten die Lieder.
Es sangen die Stimmen
in ihr,
und die bunten Bilder
füllten die Leere des Hauses
aus…
Sie berührte die Wände.
Sie spürte die Kälte
der Steine.
Ihr letztes Erscheinen
in seiner dunklen Seele.
Und dann plötzlich wieder die Stille.
Die abklingende Musik in Ohren.
Ihr altes Gehör
erkannte keine Stimmen mehr.
Das Haus war leer.
Sie war jetzt das Alter.
Sie versank in dem dunklen grauen Wesen der Zeit,
vor dem verlassenen Haus der Vergangenheit.

Die gegenwärtige Sie
-stumme Musik.
laute Stille.
Der gehorsame Wille
in der festen Umarmung der Zeit…

Bestaubte Möbel.
Unbegreifbares Wissen
Hinter Kulissen
ihres Verständnisses.
Vorhänge zerrissen.
Eindrücke vermissen
wie fallende Blätter des Gedächtnisses.
In welchem Verhältnis
steht ihre Seele zu ihm?
Ihr ungeschriebenes Vermächtnis
– sein verborgener Sinn…
Fast verschwundener Wille.
Fast erlöschter Wunsch
nach Leben…
Eine lange leuchtende Kerze,
deren Flamme eine Andeutung des Lichtes ist,
und im Schatten
erblindet,
verschwindet,
verfließt…
Eine grausame Gestalt
der Unabwendbarkeit.
Gefühle bestaubt.
Eindrücke verblasst.
Die Bilder auf den Wänden.
Das zerkratzte Glas
ihres Spiegels
ihres Daseins…

Bleiche Fensterrahmen.
Verschimmelte Wände.
Im Rücken gekrümmt.
Mit dem Blick zur Erde.
Alles vergeht.
Warst du die erste?
Bist du die letzte,
die sich an den Grenzen nähert?

Ihre Erinnerung – die zersplitterten Stücke des Glases.
Alles verblasst.
Jede einzelne Farbe.
Jeder einzelne Ton.
Alles zerkracht.
Jeder einzelne Stein wird zu Staub.
Unter Regen wird aus Staub ein Stein,
wie ein Erscheinen des Vergangenen.
Und die Zeit lächelt kindisch uns an.
Das ist die Kunst des Lebens
flüchtig zu sein,
und doch unvergänglich zu bleiben,
in jedem Erscheinen,
in müden alten Deinem,
und auch im jungem Meinem….