Katharina Dück

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Dank dem großartigen Künstler Wolfgang Glass, der meinen ersten Lyrikband Wellen branden bebildert hat, und dem fantastischen Verleger Florian Arleth vom Brot & Kunst Verlag, haben meine Gedichte ein so schönes Kleid in der Reihe Lyrik im Quadrat erhalten. Ein anregendes Vorwort hat die wunderbare freie Kulturjournalistin und Lektorin Usch Kiausch geschrieben.

Das Buch ist HIER erhältlich.


Katharina Dück_Foto Ulrich Steinlechner

Foto: Ulrich Steinlechner


Morgen danach

heißer Kaffeerauch zittert
zwischen nervösen Hoffnungshänden
und glänzenden Zimtaugen

samtiger Milchschaum schimmert
auf glossigem Himbeermund
und tropft erwartungsvoll ins Glas

heiß rinnen Gedanken
in die wächserne Sprache
und gerinnen an Luft


Highlands, Wasser, Nebel

es flutet mich
der tosendgrüne Wind
und gelber Ginster
färbt meine braune Iris

weiße Wolle dringt
ein in meine Haut
und faltet auf
und wärmt sie rot

von oben branden
Perlentropfen an mein Ohr
sie dringen flüsternd ein
bekennen deine Liebe

noch nie umfing mich die Natur
zugleich so eng und weit
dazwischen unvermischtes Glück:
Highlands, Wasser, Nebel


Disko-Intervalle 2.0

Farben dem Bass gleich pulsieren.
Neuronen im Kopf explodieren.
Die Halsschlagader zuckt.
Die Hüfte rückt
der Box entgegen.

Nasse Haare fliegen.
Hände ringen
um Kurven voll Durst,
saugen die Lust
in ihre Poren ein.

Wollust in Massen trinken.
Hemmungen sinken
tiefer ins Glas.
Es zählt nur der Spaß
auf dem Parkett.

Augen schäumen Erregung.
Pupillen fühlen Bewegung,
legen Beute in Stricke.
Lüsterne Blicke
fassen sich an.

Körper schwingen.
Synapsen singen
ein Kaleidoskop zusammen.
Schweißperlen rammen
gierige Lippen.

Schnell mit Speichel benetzen.
Gedanken in Fetzen.
Arme greifen.
Feigen reifen
unter der Haut.


Heidelberg

In Heidelberg muss man leben können.

Muss die Studentenflut dulden können.
Muss als Student in einer Vorlesung sitzenbleiben und auch aufstehen und rausgehen können.
Muss nach der Zwischenprüfung von der Alten Brücke springen und im Neckar schwimmen können.
Muss auch heute sich im Karzer eintragen können.
Muss das Außerhalb der Innenstadt und in der Innenstadt die Besucher von außerhalb ertragen können.
Muss japanische, amerikanische, chinesische, englische, indische, russische, spanische Touristen fotografieren können.
Muss den fauligen Fleischgeruch in der Nachbarswohnung riechen können.
Muss rote Rosen auf rostigem Fleck vor dem Studentenwohnheim sehen können.
Muss die Hauptstraße und die Plöck ohne Jemanden zu berühren gehen können.
Muss auf dem Bergfriedhof lernen können.
Muss den Philosophenweg ohne den Blick ins Tal spazieren gehen können.
Muss das am Berg vor Erinnerungen drückende Schloss aushalten können.

Man muss aus Heidelberg weggehen – können.

 

Weitere Gedichte finden sich auf meiner Homepage: http://katharina-dueck.de/


Langzeitprojekt

Momentan schreibe ich an meinem ersten Roman „Winterreise“, eine Adaption des Gedichtzyklus‘ von Wilhelm Müller. Der Freiburger Komponist Mirco Oswald komponiert für jede Episode des Romans Modulimprovisationen in Anlehnung an Schuberts Interpretation des Müller’schen Stoffs. Ausgeführt wurde die Oswald’sche Komposition bisher nur von der Konzertpianistin Claudia Pérez Iñesta. Das Verfahren verflicht Komposition, Text und Improvisation zu einem melodramatischen Gesamtkonzept.

Katharina Dück (li.) und Claudia Perez Inesta (re.) bei der musikalischen Lesung der "Winterreise" in der Galerie Melnikow, Heidelberg
Claudia Perez Inesta (re.) und ich bei einer musi-
kalischen Lesung der „Winterreise“. Hier in der
Galerie Melnikow, Heidelberg (2013).