Miriam Tag

Miriam Tag

 

vielleicht ist es gut hier

neu zu beginnen, als risse es meine gedanken zu den
sternen herauf. die wahrheitsbarriere mit ihrem eigen-
sinnigen summen kommt näher, ein atmosphärischer
streifen, in dem man stecken zu bleiben droht,
weil die musik hier zu verführerisch ist. was ich
finde, hinter den streichern, werde ich vielleicht nicht
finden. ich muss mich auf das schweigeversprechen
verlassen, diesem stummen geländer folgen, als
glaubte ich an eine melodie unter dem klang,
die nur zu erreichen ist, wenn die erde stillhält.
ich selbst bewege mich; oder ist sie es, noch
immer, die mich bewegt? meine hände schieben
eine kleine kugel hin und her und werden von ihr
bewegt. solange das eine und sein gegenteil
so im gleichgewicht sind, wird mir die bewegung
immer wie ihre und meine zugleich erscheinen.

ob das summen lauter wird, weil ich die barriere passiere oder sie mich
löscht?

das ungeheuerliche dahinter, das ich liebe, weil ich in ihm
wie in der menge verschwinden kann, ohne dieses gefühl
aufzugeben, das mir dunkel sagt: ich bin.

wenn ich die grenze passiert habe, diesen summenden reif,
den ich zum vergessen, nicht zum erinnern brauche,
öffnet sich gewölbe um gewölbe, höre ich alles,
was mich in dieser schwankenden welt trug,

stimmen, lange melodien
und ganz gewöhnliche akkorde,
endlos